Jüngerschaft in Minigruppen
von Neil Cole
Eine Minigruppe besteht aus zwei oder drei Personen desselben Geschlechts, die sich einmal pro Woche für etwa 1 Stunde treffen, um sich gegenseitig zu Verbindlichkeit in bestimmten Bereichen ihres geistlichen Wachstums und ihrer Entwicklung anzuhalten. Eine Gruppe sollte nicht größer als drei Personen werden, sondern sich dann in zwei Gruppen zu je zwei Personen multiplizieren, statt als eine Gruppe mit vier Teilnehmern weiterzumachen. Wenn eine vierte Person zu einer Gruppe dazu stößt, soll sich die Gruppe als schwanger betrachten und sich darauf vorbereiten, eine weitere Gruppe ins Leben zu rufen. Wenn die vierte Person ausreichende Treue bewiesen hat (nach 2-3 Wochen), soll sich die Gruppe in zwei neue Gruppen multiplizieren.Für die Minigruppen ist kein Lehrplan und kein Training nötig. Alles was man braucht, ist ein simples Lesezeichen, das jeder Teilnehmer in seine Bibel legt. Die Verbindlichkeit in den Minigruppen besteht aus drei grundlegenden Übungen für persönliches geistliches Wachstum: regelmäßige Bibellektüre, Sündenbekenntnis und Gebet für andere Menschen, die Christus brauchen.
1. Transparenz statt Doppelleben
Das erste Element eines Minigruppentreffens besteht darin, dass sich die Teilnehmer gegenseitig Fragen zur Verbindlichkeit stellen. Die Fragen sind sehr direkt. Jeder in der Gruppe beantwortet jede Frage ehrlich. Die Gruppe muss einen geschützten Rahmen bieten, in dem die Teilnehmer das Gefühl haben, aufrichtig sein und sich verwundbar zeigen zu können. Das ist der Grund, warum gemischt geschlechtliche Gruppen nicht so gut funktionieren. Die folgenden zehn Fragen haben sich bewährt:
* 1. Haben Sie in dieser Woche durch ihre Worte und Taten Zeugnis von der Größe Jesu Christi abgelegt?
* 2. Haben Sie sich während der letzten Woche sexuell stimulierendem Material ausgesetzt oder unangemessenen Gedanken über eine Person nachgegeben, die nicht Ihr Ehepartner ist?
* 3. Haben Sie es in dieser Woche an Integrität in Ihren finanziellen Bereichen fehlen lassen?
* 4. Haben Sie den Menschen, zu denen Sie in wichtigen Beziehungen stehen, in dieser Woche Wertschätzung, Verständnis und Großzügigkeit bewiesen?
* 5. Haben Sie einen anderen Menschen durch Ihre Worte verletzt, entweder hinter seinem Rücken oder direkt?
* 6. Sind Sie persönlichen Abhängigkeiten erlegen? (Erklären Sie)
* 7. Tragen Sie noch Ärger gegenüber einer anderen Person mit sich herum?
* 8. Haben Sie jemand anderem im Stillen Unglück gewünscht, oder gewünscht ihn zu übertreffen?
* 9. Haben Sie Ihr Bibel-Lesepensum diese Woche geschafft?
* 10. Waren Sie zu mir / zu uns ganz ehrlich?
2. Worte von Gott umsetzen
Wichtig ist nicht nur, dass Gott zu uns redet – genauso wichtig ist, was wir Dinge in die Tat umsetzen und zu Menschen werden, die unser Lebenshaus nicht auf Sand, sondern auf Fels aufbauen (Matth. 7,24-28). Deshalb ist der zweite Schwerpunkt der Minigruppe der, einander darüber Rechenschaft abzulegen, was Gott uns durch sein Wort, die Bibel – oder zusätzlich durch Träume, Visionen, Propehtien – mitgeteilt und welche Konsequenzen wir daraus gezogen haben. Minigruppen fördern, dass das Wort Gottes im Leben von Menschen wirksam wird. Gott sagte ganz deutlich, dass sein Wort die Saat eines neuen Lebens ist (Lk 8,11.15). Jede Gruppe einigt sich auf ein Buch der Bibel, das sie lesen will. Manchmal ist ein einführender Leseplan hilfreich, um die Dinge in Gang zu setzen. Ziel ist es, die Teilnehmer dazu zu bringen, große Textabschnitte wiederholt und im Zusammenhang zu lesen – etwa jede Woche 35 bis 40 Kapitel der Bibel zu lesen. Wenn das Buch kürzer ist, etwa der Epheserbrief oder das Buch Jona, wird es fünf bis sieben Mal in einer Woche durchgelesen. Wenn das Buch mittelgroß ist, etwa der erste Korintherbrief oder der Römerbrief, wird es zweimal in einer Woche gelesen. Ist das Buch länger, wie das Buch der Sprüche, die Apostelgeschichte oder die Offenbarung, wird es einmal ganz gelesen.Wenn sich die Teilnehmer der Minigruppe in der folgenden Woche treffen, fragen sie sich gegenseitig, ob sie das Lesepensum komplett geschafft haben (in Frage 9 der Fragen zur Verbindlichkeit). Wenn auch nur ein Teilnehmer der Gruppe nicht in der Lage war, das ganze Pensum zu lesen, nimmt sich die Minigruppe dasselbe Pensum noch einmal für die kommende Woche vor. Die ganze Gruppe liest dasselbe Pensum so lange, bis alle Mitglieder gleichzeitig das vorgeschriebene Pensum innerhalb einer Woche geschafft haben.Es ist wichtig anzumerken, dass es nicht als Versagen zu werten ist, wenn jemand nicht in der Lage war, das ganze Pensum auf Anhieb in einer Woche zu lesen. Es ist eher von Vorteil, wenn dies geschieht. Am besten ist es, wenn eine Textportion ein paar Wochen hintereinander gelesen wird, weil durch die Wiederholung das Textverständnis zunimmt und eher umgesetzt wird.
3. Strategisches Gebet für Menschen, die Gott noch nicht kennen
Jedes Mitglied der Minigruppe soll zwei oder drei Personen auswählen, die Gott uns mit höchster evangelistischer Priorität auf Herz gelegt hat. Die Namen dieser Personen werden im Gruppentreffen ausgetauscht und von jedem notiert. Jeder sollte dann insgesamt etwa sechs Namen auf der Rückseite seines Lesezeichens stehen haben. Jedes Mal, wenn einer von uns die Bibel aufschlägt, wählt er eine dieser sechs Personen aus und betet für sie. Mit diesem System wird für jede der Personen zwei- oder dreimal pro Woche von zwei oder drei Personen gebetet.Die ganze Gruppe bemüht sich gemeinsam, diese Menschen vor den Thron der Gnade zu bringen. Wenn wir miterleben, wie eine neue Seele in das Reich Gottes hineingeboren wird, freuen wir uns alle gemeinsam, weil jeder von uns eine entscheidende Rolle im Prozess gespielt hat. Wer als Folge des Gebets der Minigruppe zum Glauben kommt, kann die nächste Minigruppe bilden. So geschieht Multiplikation ganz natürlich, spontan und auf eine Weise, an der sich die ganze Gruppe mitfreuen kann.
Zum Weiterlesen: Neil Cole: Klein und stark: Minigruppen - Ein Weg zur ganzheitlichen Nachfolge.

Neil Cole
Gemeindegründer und Autor, Los Angeles
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